
Lieber Musikantenstadl und Co,
Volkslieder kann man nicht komponieren. Schlager kommen und gehen.
Ob aus einem Schlager ein Volkslied wird, entscheidet sich erst dann,
wenn er schon lange aus den Hitparaden verschwunden ist.
Volkslieder sind die Lieder, die gesungen werden, obwohl sie längst aus der Mode sind.
Man kennt sie noch. Sie haben sich in das Gedächtnis des Volkes fest verankert.
Deshalb heißen sie ja auch Volkslieder.
"Blowin' in the wind", "alt wie ein Baum", "am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn",
"Marmor, Stein und Eisen bricht" oder "yellow submarine", das sind Volkslieder.
Natürlich sind es auch die alten, die Friedrich Silcher und A. W. Florentin v. Zuccalmaglio u.a. gesammelt haben,
und die auch in meiner Sammlung vornehmlich vertreten sind.
Was ihr Medien uns als Volksmusik verkaufen wollt, ist eine einzige Verarschung.
Ein Trachtenanzug, eine Schunkelmelodie mit peinlichem Text und im Hintergrund
ein aufgeblasenes Orchester, sollen uns das Gefühl von Heimat und Folklore vermitteln.
Und wenn ich sage, daß ich mich für Volksmusik interessiere,
lacht man mich aus. Und wem habe ich das zu verdanken?
Nun gut, dennoch mag man mich fragen,
warum ich mich für dieses dieses Genre interessiere.
Was reizt mich an "horch, was kommt von draußen rein"?
Hierfür gibt es zwei Antworten:
1. Volkslieder sind die erfolgreichsten Lieder aller Zeiten,
aber was ist an ihren Melodien so genial?
Als Musikwissenschaftler und Komponist interessiert mich diese Frage natürlich.
2. Die Geschichtsbücher erzählen eine Geschichte der Politik, des Krieges und der Prominenten.
Aber wo bleibt die Geschichte der normalen Menschen?
Die Volkslieder können uns hierüber eine Menge verraten.